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ARNEZHOFERSTRASSE EIN STRASSENNAME ALS MAHNMAL

A B S T R A C T
Präsentation der Geschichte der Arnezhoferstraße in 4 fragmentarischen Abrissen via 7 an die Straßenfassade applizierte, bedruckte Acrylglastafeln: Bis dato erfährt der Pfarrer und agitatorische Antisemit Johann Arnezhofer, der im 17.Jahrhundert die Vertreibung der Wiener Juden organisierte, eine offizielle und im kollektiven Bewußtsein verankerte Würdigung.


P R O J E K T B E S C H R E I B U N G
Das Projekt erzählt die Geschichte der Arnezhoferstraße in 4 chronologisch geordneten, fragmentarischen Abrissen. Diese Episoden werden mittels 7 an die Fassade der Liegenschaft „Arnezhoferstraße 7“ applizierten Tafeln erläutert. Anhand jener Tafeln unternehmen Passantinnen und Passanten eine Zeitreise, die sie vom 17.Jahrhundert zur Gegenwart bewegen lassen.
Tafel 1 und Tafel 7 sind ident und markieren je nach Bewegungsrichtung Ausgangs- bzw. Endpunkt der Geschichtsbetrachtung. Tafel 2 bis Tafel 6 stellen Fenster in die Vergangenheit dar.
Vgl. u.a. „Visualisierung des Projekts“ sowie "Tafeln".


T A F E L N
Text der Tafel 1 ARNEZHOFERSTRASSE EIN STRASSENNAME ALS MAHNMAL
Text der Tafel 2 Der Pfarrer und fanatische Antisemit Johann Ignaz Arnezhofer, Kommissär ´zur Ordnung der Israelitischen Angelegenheiten´, organisierte 1670 im Auftrag von Kaiser Leopold I die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus dem Ghetto ´Unteres Werd´ (heute Teil des 2. Wiener Gemeindebezirks).
Text der Tafel 3 1906 wurde die Straße auf Veranlassung des Wiener Bürgermeisters Dr. Karl Lueger nach Johann Arnezhofer benannt.
Text der Tafel 4 Während der NS-Zeit wurden 29 Jüdinnen und Juden aus der Arnezhoferstraße Opfer des Holocaust. [Liste Holocaust-Opfer]
Text der Tafel 5 [Fortsetzung Liste Holocaust-Opfer]
Text der Tafel 6 Bis dato verweigert die Wiener Stadtregierung die Umbenennung der Arnezhoferstraße.
Text der Tafel 7 ARNEZHOFERSTRASSE EIN STRASSENNAME ALS MAHNMAL


T A F E L N :: P D F - D O W N L O A D



7
I) Die Anzahl der Tafel referenziert jene 7 in NS-Vernichtungsstätten ermordeten Jüdinnen und Juden, die vor ihrer Deportation in der Arnezhoferstraße 7 wohnten.
II) Die Zahl 7 ist eine gleichwohl im Christentum als auch im Judentum mythisch besetzte Ziffer, nicht zuletzt aufgrund der gemeinsamen Basis Altes Testament bzw. Thora. „7“ symbolisiert ein Ganzes, eine Fülle. Gleichzeitig ist dieses „Ganze“ wiederum häufig Teil einer größeren Entität. zB. 7 Tage der Woche.
49 Tage (7 x 7) trennen die Feste Ostern (Auferstehung Jesus) und Pfingsten (Apostel empfangen Heiligen Geistes) bzw. Pessah (Auszug der Juden aus Ägypten) und Schawuot (Juden empfangen 10 Gebote).
Bibel respektive Thora bieten Myriaden von „7“-Erwähnungen: Erschaffung der Welt in 7 Tagen..Joseph´s Traumdeutung der 7 fette und 7 dürre Jahre (beide lt. 1.Buch Moses Genesis bzw. lt. Bereschit, Thora).
Als weitere Beispiele kennt die christliche Theologie 7 Sakramente, die katholische Kirche 7 Todsünden.


H A P T I K UND O P T I K
Die Tafeln bestehen aus Acrylglas, die Verschraubung NIRO-Optik. Die Tafeln sind quadratisch mit einer Seitenlänge von 30cm, Kante gefast. Sprache der Tafeln ist deutsch; Farbe der Typografie 80iges Grau, Font Verdana, Schriftgröße 30pt, Schriftgröße von Tabelle sowie Impressum ist 10pt.
Situierung der Tafeln ist dem Kapitel „Visualisierung des Projekts“ auf Seite 3 zu entnehmen. Unterkante der Tafeln liegt auf 185cm über Gehsteigniveau. Jede Tafel ist so mit 4 Distanzhülse und verdeckter Verschraubung an der Fassadenmauer fixiert, dass keine Verletzungsgefahr für blinde und sehschwache Passanten durch vorstehende Komponenten entsteht.


L A G E UND S I T U A T I O N
Die Arnezhoferstraße liegt im Stuwerviertel (Grätzel zwischen Lassalle- und Ausstellungsstraße sowie Donau) und verbindet die Venediger Au und den Max-Winter-Platz.
Das Stuwerviertel war immer ein Ort, an dem sich Immigrantinnen und Immigranten mit geringem Vermögen ansiedelten. Einkommen und Kaufkraft in diesem Viertel sind traditionell niedrig. Gassenlokale bleiben geschlossen, Gentrification ist ein sperriges Fremdwort und findet anderswo statt. Illegale Prostitution von meist drogenabhängigen Menschen oder Immigrantinnen sowie das entsprechende Zuhälter- und Freierklientel beeinflussen die Atmosphäre dieses Grätzels. Campingbus-Touristen, die freie Parkplätze und die Nähe zum Prater schätzen, entsorgen ihren Müll vielfach auf der Straße.


V I S U A L I S I E R U N G DES P R O J E K T S
In der nachfolgenden Fotomontage ist die Situierung der Tafeln im Erdgeschossbereich zwischen Fenster- bzw. Türöffnungen durch helle Quadrate erkennbar. Analog zu den Risaliten, die die Fassade zu linken sowie zur rechten Nachbarfassade begrenzen, bedeuten die abgesetzten Tafeln 1 und 7 Ausgangs- bzw. Endpunkt des Projekts.
Fehlende Gliederungs- und Stuckelemente der ursprünglichen Fassade aus dem Jahr 1913, das mittlerweile aufgelassene Farbengeschäft, die thermische Sanierung durch Plastikfenster geben Zeugnis vom Lauf der Eingriffe. Im Zuge der Geschäftstätigkeit von diesem ehemaligen Farbengeschäfts wurde in der Erdgeschosszone die Beschildung „FARBEN - LACKE“ montiert; Fenster sowie Türen dunkelblau und rot lackiert. Weiters wurde der Putz in diesem Bereich erneuert und das ursprüngliche Erscheinungsbild modifiziert. Die Tafeln dieses Projektes lassen sich als weiteren Layer an der Fassade lesen.

R E C H T L I C H E UND B A U L I C H E V O R A U S S E T Z U N G E N
Es liegt das schriftliche Einverständnis sämtlicher Wohnungseigentümer der Liegenschaft Arnezhoferstraße 7 vor, das Projekt wie erläutert durchzuführen. Laut Auskunft der MA 37/2 ist der marginale und reversible Eingriff in die Fassadengestaltung des nicht Schutzzone befindlichen Objektes nicht genehmigungspflichtig.


D A U E R DES P R O J E K T S
Das Projekt ist ein permanentes, da die Geschichte der Arnezhoferstraße selbst nach einer eventuellen Straßenumbenennung relevant ist. Vgl.Link > IMPACT „Bedeutung und Wirkung im öffentlichen Raum“.
Das Projekt ist gegen Vandalismus versichert. Laut Stellungnahme der Hausverwaltung der Liegenschaft Arnezhoferstraße 7 „Sandor Steiner – Gebäudeinhabung und Verwaltung“, Schottgießergasse 3, 1020 Wien, mit Rücksprache mit der Liegenschaftsversicherung werden die Tafeln mit der Fassade mitversichert. Der bei allfälliger Beschädigung der Tafeln anfallende Selbstbehalt von € 300,- wird von der Eigentümergemein-schaft bzw. Sponsoren aufgebracht.